Hôpital Albert Schweitzer (Deschapelles, Haiti) – Ein Potrait
Das Hôpital Albert Schweitzer (HAS) in Haiti befindet sich ca. 80 km nordwestlich von der Hauptstadt
Port-au-Prince in Deschapelles im Artibonite-Tal in Zentralhaiti. Das Département Artibonite ist mit 300.000 Einwohnern das größte und am dichtesten besiedelte ländliche Gebiet Haitis.
Das Krankenhaus wird als eines der besten Haitis angesehen. Es verfügt über 115 stationäre Betten. Nach dem Erdbeben gab es allerdings einen drastischen Anstieg – zeitweise wurden über 600 Betten untergebracht. Es gibt eine Abteilung für Kinder (welche nahezu die Hälfte aller Patienten umfasst), Chirurgie, Allgemeinmedizin, Risiko-Geburtshilfe/Gynäkologie sowie eine kleine Augenabteilung und eine Rehabilitationsabteilung für unterernährte Kinder. Dank der finanziellen Unterstützung durch die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) konnten in der ersten Jahreshälfte 2009 sechs Gesundheitszentren (Dispensaires) in den angrenzenden Bergen gebaut bzw. umfunktioniert werden. Diese Krankenhäuser und Dispensaires stellen das derzeitige Gesundheitssystem für die verarmte ländliche Bevölkerung dar. 98 % der ständigen Mitarbeiter sind Haitianer. Bei den restlichen 2 % handelt es sich um Spezialisten aus den Bereichen Medizin, Ausbildung, Ingenieur- und Finanzwesen, die aus der Schweiz, Kanada und den USA stammen.
Mit Herz und Seele von Anfang an – Die Gründung des HAS
Inspiriert durch das Werk und Engagement Dr. Albert Schweitzers und seine Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben gründeten Dr. Larimer und Gwen Mellon in Deschapelles im Artibonite-Tal, Haiti, 1956 das Hôpital Albert Schweitzer.
1947 las das Paar im LIFE Magazine einen Artikel über Albert Schweitzer und sein Missionsspital in Lambarene, Westafrika. Nach einem Briefwechsel mit Dr. Schweitzer entschloss sich Larimer Mellon, Medizin zu studieren und ein Krankenhaus in einem der benachteiligten Länder der Welt zu eröffnen. Zur gleichen Zeit ließ sich seine Frau Gwen zur Krankenschwester ausbilden, um ihn bei seiner Arbeit unterstützen zu können.
1956 entschloss er sich, in die Region des Artibonite-Tals zu gehen, bei der es sich um eine der am dichtesten bevölkerten und ärmsten Regionen der Welt handelt. Die Bewohner, zumeist auf unfruchtbarem Land unter harten Bedingungen lebende Subsistenzbauern (Selbstversorger), litten unter einer hohen Kindersterblichkeit, Unterernährung, Tuberkulose, Masern und Darmparasiten.
Nach der Gründung weiteten die Mellons, in Zusammenarbeit mit ihren Nachbarn, ihre Arbeit über die Grenzen des Krankenhauses hinaus aus. Mit großer Zielstrebigkeit arbeiteten sie gemeinsam daran, das Leben der Haitianer zu verbessern. Es wurden Wasserleitungen in die Dörfer verlegt, Latrinen errichtet, Brunnen für sicheres Trinkwasser gebohrt sowie Vieh- und Landwirtschaftmethoden eingeführt. Dr. Mellon starb 1989. Bis zu ihrem Tod im November 2000 führte seine Frau das Krankenhaus mit dem Pragmatismus und der Leidenschaft ihres Mannes und im Sinne von Dr. Schweitzers Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben weiter. (1)
Heute
Mit der in Zusammenarbeit mit der Hanger Ivan R. Sabel Foundation und Schweizer Institutionen in Rekordzeit errichteten Klinik und Prothesenwerkstatt mit Rehabilitationszentrum (Gehschule) entstand die erste Einrichtung in Haiti, in der nach dem Erdbeben amputierte Menschen mit Prothesen versorgt werden.
Die Arbeit des HAS beschränkt sich nicht nur auf die medizinische Standardversorgung, sondern es realisiert auch Infrastrukturprojekte zur Trinkwasserversorgung und Aufforstung in den Bergen, setzt sich für die Alphabetisierung ein und vergibt Mikrokredite für Frauen. Hilfe zur Selbsthilfe ist dabei immer die Grundlage zur Zusammenarbeit mit der einheimischen Bevölkerung. Die meisten Krankenhäuser in Port-au-Prince wurden durch das Erdbeben schwer beschädigt oder sogar vollständig zerstört. Das Hôpital Albert Schweitzer überstand das Erdbeben jedoch unversehrt und verfügt außerdem über eine eigene Strom- und Wasserversorgung, so dass man in der Lage war, aus dem Erdbebengebiet eingelieferte Verletzte sofort zu versorgen. Im Januar 2010 wurden zusätzlich 1318 Erdbebenopfer behandelt; unentgeltlich natürlich.
Die Bevölkerung des Artibonite-Tals, wo sich das HAS befindet, ist seit dem Erdbeben beträchtlich gewachsen. Zahlreiche Menschen haben die Region um die Hauptstadt verlassen und sind aufs Land geflüchtet. Durch das Erdbeben ist die Gesundheitsversorgung in Port-au-Prince größtenteils zusammengebrochen und konnte bisher nur teilweise mithilfe internationaler Organisationen wiederhergestellt werden. Nach dem Erdbeben im Januar 2010 wurde ein nicht enden wollender Strom an Opfern mit den schwerwiegendsten Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Bei den meisten der eingelieferten Patienten war ein chirurgischer Eingriff erforderlich.
Ein Jahr nach dem Erdbeben
Am 12. Januar 2011 erinnerten die Mitarbeiter und Patienten des HAS mit einer Gedenkfeier an das Erdbeben und die Opfer. Im Rahmen der Feier gab es diverse musikalische und andere Darbietungen durch eine Gruppe Amputierter und anderer Menschen. Eine doppelt amputierte Frau erzählte in bewegenden Worten, wie sie aufgrund ihrer durch zwei Beinprothesen wiedergewonnenen Mobilität neue Hoffnung schöpfen konnte.
Es gab weiterhin einen Vortrag über Kniegelenke und die Arbeit der Klinik. Die Menschen in Haiti sind sehr dankbar und erfreut, dass medi for help die Arbeit der Hanger Ivan R. Sabel Foundation auch weiterhin unterstützen wird.
Quelle: (1) Dieser Text stammt von der Seite www.schweitzerhospitalfund.org.uk/haiti.html
Zur Website des Hôpital Albert Schweitzer: http://www.hashaiti.org/



